Lektionen für die Urlaubsfahrt mit dem W 124

23.06.2026 – Viermal im Sommerurlaub liegen geblieben und die Lehren daraus …

In den letzten Jahren bin ich mit meinem E320 Cabrio viermal liegen geblieben – jedes Mal im Urlaub in Frankreich, weit entfernt von einer kompetenten Werkstatt oder einer schnellen Teileversorgung. 

Ich muss gestehen, ich schone meine W124 nicht. Nein im Gegenteil, ich verlange ihnen Höchstleistung ab. Mit mehreren Fahrzeugen lege ich jedes Jahr rund 50.000 Kilometer quer durch Deutschland und Europa zurück – im Alltag auf Dienstreisen, ebenso wie auf Urlaubsreisen. Die Sterne werden nicht nur bei schönem Wetter aus der Garage geholt und natürlich sportlich gefahren. Umso erstaunlicher finde ich, dass mich die Pannen ausgerechnet immer im Urlaub erwischt haben. Zuhause laufen die Fahrzeuge monatelang völlig unauffällig – nur bei entspannter Fahrt irgendwo im französischen Hinterland scheint gelegentlich ein Bauteil zu beschließen, in den Ruhestand zu gehen.

Interessanterweise waren es nie spektakuläre Motorschäden, Getriebestörungen oder andere große Baugruppen, die Probleme bereiteten. Vielmehr waren es vergleichsweise kleine Bauteile, die nach über 30 Jahren ihren Dienst quittierten. Rückblickend waren alle diese Pannen für mich lehrreich, denn sie zeigen recht deutlich, welche Komponenten bei unseren Fahrzeugen besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Die folgenden Beispiele sollen deshalb nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil. Sie zeigen, welche Bauteile vor längeren Reisen geprüft oder bei unbekanntem Alter gegebenenfalls vorsorglich ersetzt werden sollten. Denn oftmals sind es gerade die kleinen Dinge, die darüber entscheiden, ob man entspannt am Urlaubsort ankommt oder auf den Abschleppwagen wartet.

Erster ungeplanter Halt: Fake News vom Luftmassenmesser 

Die ersten Symptome waren nicht eindeutig. Das Automatikgetriebe schaltete plötzlich ruckartig. Bei langsamer Fahrt schwankte die Motordrehzahl stark. Auf der Autobahn schaltete das Getriebe ständig ruckartig in einen niedrigeren Gang zurück und sofort darauf wieder hoch.

Die Ursache war ein defekter Luftmassenmesser. Durch die unruhige Motorcharakteristik wurde der gesamte Antriebsstrang belastet. In meinem Fall riss anschließend sogar der Keilrippenriemen.

Symptome:

  • Schwankende Leerlaufdrehzahl
  • Ruckartige Schaltvorgänge
  • Unlogisches Zurückschalten des Automatikgetriebes
  • Schlechte Gasannahme

Der Luftmassenmesser

Wer die oben beschriebenen Symptome bemerkt, sollte der Ursache frühzeitig auf den Grund gehen. Gerade vor einer größeren Reise lohnt sich eine Überprüfung, bevor aus einem kleinen Problem ein größerer Ärger wird.

Zweiter ungeplanter Halt: Der ungeregelte Laderegler 

Beim zweiten Ausfall war der Laderegler defekt. Die Lichtmaschine lud mit voller Kraft ununterbrochen die Batterie. Bordspannung lag zeitweise bei knapp 17 Volt. Die Folge: Die Batterie kochte, zahlreiche kleine Glühlampen brannten durch und Motor- sowie Getriebesteuergerät spielten verrückt, überlebten aber glücklicherweise.

Zur Info: Der viel häufigere Fehler ist mangelnde Ladung der Batterie aufgrund abgenutzter Schleifkohlen.

Besonders wichtig: Für den W 124 existieren verschiedene Ausführungen des Ladereglers (Schleifkontakte gerade oder gewinkelt). In Frankreich war nur eine Ausführung bestellbar – gottseidank für mich die Richtige.

Symptome:

  • Batteriespannung deutlich über 14 Volt
  • Kochende oder leere Batterie
  • Durchbrennende Glühlampen
  • Fehlfunktionen von Steuergeräten

Der Laderegler

Der Laderegler gehört zu den klassischen Verschleißteilen. Bei unbekanntem Alter kann ein vorsorglicher Austausch deutlich günstiger sein als die Folgen eines Defekts im Urlaub.

Dritter ungeplanter Halt: Hitzefrei für die Viskokupplung

Die dritte Panne zeigte sich erst bei großer Hitze. Obwohl das Fahrzeug täglich bewegt wird, fiel die defekte Viskokupplung erst bei etwa 36 °C Außentemperatur im Stop-and-Go-Verkehr auf. Auf der Landstraße war alles unauffällig. In der Stadt stieg die Motortemperatur jedoch deutlich an.

Symptome:

  • Temperaturprobleme im Stand oder Stadtverkehr
  • Normale Temperatur bei höherem Tempo
  • Lüfterrad lässt sich im heißen Zustand ungewöhnlich leicht drehen (Motor aus!)

Die Viskokupplung

Gerade wer gerne nach Südfrankreich, Italien, Kroatien oder in andere heiße Länder fährt, sollte die Funktion der Viskokupplung gelegentlich prüfen. Viele Defekte fallen erst bei großer Hitze auf. Notfalls Heizung an!

Vierter ungeplanter Halt: Das launische Relais

Die vierte Panne war gleichzeitig die nervigste. Das Fahrzeug wurde normal abgestellt und sprang anschließend nicht mehr an. Nach einer Stunde der Fehlersuche bei fast 40 °C Außentemperatur klopfte ich eher aus Verzweiflung auf das Überspannungsschutzrelais (ÜSR). Der Motor sprang danach sofort an.

Symptome:

  • Motor dreht, springt aber nicht an
  • Sporadische Elektrikprobleme
  • Fehler tritt scheinbar grundlos auf
  • Fehlzündungen, miserabler Motorlauf
  • Fahrzeug läuft nach Klopfen auf das Relais plötzlich wieder

Das Relais

Das Überspannungsschutzrelais ist inzwischen bei vielen Fahrzeugen ein typisches Altersbauteil. Wer die Historie seines Fahrzeugs nicht kennt, sollte diesem kleinen Teil durchaus etwas Aufmerksamkeit schenken.

Die heimlichen Saboteure: Torpedo-Sicherungen und Kontaktprobleme

Nicht jede Panne wird durch ein großes Bauteil verursacht. Mehr als einmal waren bei meinen Fahrzeugen lediglich korrodierte oder locker sitzende Torpedo-Sicherungen die Ursache. Bei meinem 320 TE verursachte eine Sicherung auf Position B einen Wackelkontakt. Die Wegfahrsperre wurde nicht mehr korrekt versorgt und das Fahrzeug sprang nicht an.

Bei meinem 230 TE war Sicherung Nr. 7 betroffen. Diese versorgt unter anderem die Magnetkupplung des Motorlüfters. Die Sicherung hatte keinen vollständigen Kontakt mehr, der Lüfter lief nicht und der Motor wurde innerhalb kürzester Zeit zu heiß.

Symptome:

  • Sporadische Ausfälle einzelner Systeme
  • Motor springt plötzlich nicht an
  • Elektrische Verbraucher arbeiten unzuverlässig
  • Kühlungsprobleme trotz intakter Bauteile

Empfehlung:

Alle Torpedosicherungen sollten etwa alle zwei bis drei Jahre gesichtet und gegebenenfalls erneuert werden. Gleichzeitig empfiehlt sich die Kontrolle und Reinigung der Sicherungshalter. Die Kosten sind gering, die Wirkung oft erstaunlich groß.

Die Sicherungen

Gerade Torpedo-Sicherungen altern über die Jahre. Korrosion an den Endkappen oder den Sicherungshaltern führt oft zu Übergangswiderständen und schwer nachvollziehbaren Fehlern.

Was ich heute vor einer großen Reise prüfe

  • Keilrippenriemen
  • Torpedo-Sicherungen und Sicherungshalter
  • Viskokupplung
  • Batterie 
  • Kühlsystem inklusive Schläuchen und Kühlmittelstand
  • Ölstand

Auch wer technisch gar nicht bewandert ist, sollte auf längeren Reisen zumindest einen Keilrippenriemen, Öl, Wasser, ein ÜSR-Relais, einen Laderegler, Sicherungen und eine Reservebatterie für den Funkschlüssel dabeihaben. Einige dieser Teile im Urlaub zu besorgen, hat mich mehrere Tage und ein Vielfaches des normalen Preises gekostet.

Mein Fazit

Meine vier Pannen haben mir vor allem eines gezeigt: Der W 124 scheitert nur selten an großen technischen Katastrophen. Viel häufiger sind es kleine, unscheinbare Bauteile, die nach Jahrzehnten treuen Dienstes irgendwann an ihre Grenzen kommen.

Wer die bekannten Alterserscheinungen seines Fahrzeugs im Blick behält und kritische Komponenten rechtzeitig überprüft oder erneuert, kann das Risiko unerwarteter Ausfälle deutlich reduzieren. Natürlich bleibt ein W 124 ein Oldtimer, und niemand kann garantieren, dass unterwegs niemals etwas passiert. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mir jedoch gezeigt, dass zumindest meine Ausfälle mit etwas Vorsorge wahrscheinlich vermeidbar gewesen wären.

Künftig halte ich es deshalb lieber wie ein Flugzeugmechaniker: Kritische Bauteile werden überprüft oder ersetzt, bevor sie Probleme verursachen. Das ist meist deutlich angenehmer als eine Bruchlandung irgendwo im französischen Hinterland.

Zum Schluss noch ein Gedanke: Viele unserer W 124 haben inzwischen mehr als drei Jahrzehnte zuverlässig ihren Dienst verrichtet und hunderttausende Kilometer zurückgelegt. Das ist alles andere als selbstverständlich. Und wenn wir ehrlich sind, gilt Ähnliches doch vielleicht auch für uns Besitzer. Nach 30 oder 40 Jahren treuem Dienst darf man sich da nicht gelegentlich eine kleine Schwäche leisten? Solange man nicht übertreibt, hält sich der Schaden meist in Grenzen.

Text und Fotos: Andreas Schneider