Ein Wiedersehen in Polen nach sieben Jahren

Von Breslau bis Bad Kudowa: die Regionalgruppe Norddeutschland entdeckt Schlesien

Eine zweite Ausfahrt nach Polen stand diesen Sommer für die Regionalgruppe Norddeutschland auf dem Programm. Die erste war schon 7 Jahre her. Vom 12. bis 17. Juli 2026 entdeckten 11 Fahrzeuge das faszinierende Schlesien – und kehrten mit unvergesslichen Eindrücken zurück. Hier ist der Reisebericht.

Am Sonntag geht es los in Richtung Breslau

Wir starten mit 11 Fahrzeugen von der Raststätte Schal See an der A24 in Richtung Polen/Schlesien. Es lagen 576 km vor uns, das Wetter war sommerlich warm. Hinter der polnischen Grenze wurde erstmal günstig getankt und die Euro in Zloty gewechselt. Erstes Ziel unserer Ausfahrt war das Weingut Winnice Jaworek nordwestlich von Breslau, eines der größten Polens, gegründet 2001. Ein reichhaltiges Abendessen mit anschließender Weinprobe erwartete uns. Die polnische Küche mit herzhaften Salaten, schmackhaft geschmortem Fleisch und Gewürzen wie Dill, Majoran und Kümmel begeisterte alle.

Am Montag besuchten wir das größte Schloss Niederschlesiens: Schloss Fürstenstein (Zamek Książ) in Wałbrzych, erbaut im späten 15. Jahrhundert. Ein Audioguide führte uns durch die riesige Anlage mit ihrem faszinierenden Stilmix aus Gotik, Renaissance, Barock und Jugendstil. Weiter ging es nach Świdnica zur evangelischen Friedenskirche – der größten Fachwerkkirche Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Nur aus Holz, Sand, Lehm und Stroh erbaut, hinterlässt die prächtige spätbarocke Innengestaltung ein erhabenes Gefühl. Extra für uns gibt es Erläuterungen auf Deutsch. Am späten Nachmittag erreichten wir die Schlossparkanlage Schloss Topacz, wo jedes Jahr im August das Moto Classic Wrocław stattfindet – eines der bedeutendsten Oldtimer-Treffen Polens.

In Oława erwartete uns ein privates Automuseum der Superlative: 7.000 Quadratmeter, mehr als 300 Autos und 150 Motorräder. Für unsere Sternenflotte sind extra Stellplätze reserviert. Polnische Klassiker wie Fiat 126 und Syrenka standen neben internationalen Marken – und natürlich Mercedes. Den Abend ließen wir bei einem rustikalen Grillabend auf dem Weingut ausklingen.

Es steht wieder Kultur auf dem Programm

Nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen vom Weingut. Der Konvoi setzt sich in Bewegung nach dem 85km entfernten Ząbkowice Śląskie. Der freistehende Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert neigt sich 2,14 Meter aus dem Senkblei. Er ist somit Platz zwei unter Europas schiefsten Gebäuden, gleich nach dem Turm von Pisa. Nach 139 Stufen genießen wir einen herrlichen Ausblick. Ganz in der Nähe, im Keller des Heimatmuseums, wartete das mysteriöse Labor des Dr. Frankenstein auf uns. Eine Geschichte, die bis zur Pest-Epidemie des 17. Jahrhunderts zurückreicht und Mary Shelley zu ihrem Roman inspirierte.

Unser neues Quartier für die Nacht war das Schlosshotel Zamek Sarny. Ein auf den ersten Blick unscheinbares Gebäude-Ensemble, das sich bei näherer Betrachtung als beeindruckendes Projekt entpuppt. Es wird mit Mut und Herzblut von drei jungen Männern in Privatinitiative vorangetrieben. Beim abendlichen Buffet in einem ehemaligen Pferdestall konnten wir beste polnische Küche in festlicher Atmosphäre genießen.

Am Donnerstag führte uns die „Fahrt der 100 Kurven“ durch hügelige Landschaften zum Kurort Bad Kudowa an der tschechischen Grenze. Die dortige Schädelkapelle mit den sichtbaren Gebeinen von rund 3.000 Menschen ist ein eindringliches Mahnmal zur Erinnerung an den 30-jährigen Krieg. Den anschließenden Besuch im romantischen Kurpark-Café „Sissi“ genießen wir umso mehr: Eis und Kaffee unter Sonnenschirmen, bevor es zum Abschiedsessen ins Schlosshotel zurückgeht.

Schon geht es wieder nach Hause

Nach dem Frühstück trat der größte Teil der Gruppe die Heimreise an. Einige von uns starteten aus verkehrstechnischen Gründen schon morgens um 5.00 Uhr. Wir alle waren erfüllt von einem abwechslungsreichen Programm, das Marek und Alicia hervorragend für uns gestaltet haben. Kleinere Pannen, wie ein Radwechsel oder ein abgefallenes Auspuffteil, konnten schnell gemeinsam behoben werden. Die Reisefreude und gute Gemeinschaft blieb ungetrübt. Bereichert wurde die Ausfahrt an drei Tagen durch drei einheimische W 124, die Mareks Neffen gehören – zwei davon mit dem polnischen H-Kennzeichen auf gelbem Untergrund.

Text: Peter und Christiane Engelhorn
Fotos: Peter Henning, Peter Engelhorn